Forschung & Humanitäre Hilfe
Zwischen Forschung und Nothilfe: Für Gesundheit und Teilhabe weltweit
Foto: Abdoulaye Ndiaye
Innovative Ansätze und konkrete Unterstützung – für eine noch bessere Versorgung

Humanitäre Hilfe und Forschung sind zwei zentrale Säulen unserer Arbeit – und zugleich eng mit all den Themen verbunden, die diesen Jahresbericht prägen: Früherkennung, Stigmatisierung, Zugang zu Gesundheitsversorgung und die Unterstützung besonders benachteiligter Menschen. Viele der Projekte, die wir 2025 in den Bereichen Forschung und Humanitäre Hilfe umgesetzt haben, greifen diese Aspekte auf und wurden bereits in den vorherigen Kapiteln vorgestellt. Denn beide Bereiche stehen bei uns nicht isoliert, sondern sind Bestandteile eines ganzheitlichen Ansatzes.

Im Bereich Forschung konnten wir wichtige Impulse setzen: Mit dem Abschluss des international beachteten Projekts PEP4LEP wurde ein bedeutender Meilenstein in der Lepra-Prävention erreicht. Gleichzeitig haben wir neue Fragestellungen aufgegriffen – etwa zur Bedeutung psychischer Gesundheit oder zu den Auswirkungen geschlechtsspezifischer Gewalt auf Menschen, die von Lepra betroffen sind, in Indien und Tansania. Auch ein Projekt für mentale Gesundheit in Togo zeigt, wie wir Forschung und Praxis verbinden: Gemeinsam mit lokalen Partnern entwickeln wir Ansätze, die Stigmatisierung abbauen und psychosoziale Unterstützung stärken.

Zugleich arbeiten wir weiter an innovativen Lösungen – etwa beim Einsatz digitaler Technologien in der Diagnostik oder im Rahmen der internationalen Impfstoffforschung, die langfristig neue Perspektiven in der Lepra-Bekämpfung eröffnen dürfte. Parallel dazu blieb die Humanitäre Hilfe ein bedeutender Bestandteil unserer Arbeit. Ob nach Überschwemmungen in Pakistan, in Konfliktregionen wie Syrien oder im Südsudan – wir leisteten schnelle, bedarfsgerechte Unterstützung und stärkten zugleich lokale Strukturen. Unser Ziel ist es, Menschen nicht nur in akuten Krisen zu begleiten, sondern langfristig Perspektiven zu schaffen.

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Foto: Abdoulaye Ndiaye

Die Folgen von Ausgrenzung und Krankheit wirken bis heute nach: In ehemaligen „Lepra-Dörfern“ und besonders vulnerablen Gemeinden im Senegal fehlt es vielen Familien an ausreichender und gesunder Ernährung. In einem Humanitären Hilfsprojekt wurde hier gezielt die Ernährungssicherheit gestärkt: durch Unterstützung in der Landwirtschaft, Wissen zu ausgewogener Ernährung und begleitende Gesundheitsmaßnahmen. So werden besonders betroffene Menschen widerstandsfähiger gegenüber Hunger, Krankheit und neuen Krisen.

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Blick in unser Humanitäres Hilfsprojekt im Senegal
Foto: Imran Khan

Nach den verheerenden Fluten 2022 unterstützt dieses Projekt in Sibi (Pakistan) besonders verletzliche Menschen beim Neuanfang. Schulungen, Hilfsgüter und gemeinschaftliche Schutzmechanismen helfen Familien, ihre Lebensgrundlagen wieder aufzubauen – und stärken ihre Fähigkeit, zukünftigen Krisen besser zu begegnen.

Foto: IMC

In Syrien unterstützten wir gemeinsam mit dem International Medical Corps von Krieg und dem Erdbeben 2023 schwer betroffene Menschen mit psychosozialer Hilfe, Schutzangeboten und lebenswichtiger Infrastruktur. In Familienzentren erhielten Frauen, Kinder und Familien psychologische Beratung, Elternkurse, Kinderschutz-Programme und Unterstützung gegen Gewalt. Mobile Teams und Gesundheitsangebote erreichten auch Vertriebene. Gleichzeitig sorgen nachhaltige Wasserprojekte – wie ein solarbetriebenes Bohrloch in Hama – wieder für sauberes Trinkwasser für tausende Menschen.

Foto: Christian Männer

In ehemaligen Lepra-Dörfern im Senegal wurden durch Hausbesuche neue Erkrankungen früh erkannt und Kontaktpersonen vorbeugend behandelt. Parallel testeten wir eine App zur Unterstützung der Diagnosestellung. Erste Ergebnisse zeigen: Digitale Lösungen bieten großes Potenzial. Nach einigen Schulungen und ausführlichen Schulungen könnten sie schon bald zuverlässig und verantwortungsvoll im Alltag eingesetzt werden.

Foto: Julie Brunet

Eines unserer Sonderprojekte in der Ukraine, finanziert mit Mitteln des Bündnis Entwicklung Hilft (BEH): Ukrainische Therapeut:innen wurden in Würzburg in der Akut-Trauma-Therapie mit der EMDR-Methode geschult, um traumatisierten Menschen in ihrer Heimat besser helfen zu können. Nach der intensiven Ausbildung werden sie durch Online-Supervision begleitet und wenden ihr Wissen vor Ort an. So stärkt das Projekt langfristig die psychotherapeutische Versorgung und schafft Perspektiven für Menschen, die unter den Folgen von Krieg und Gewalt leiden.

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Einblick in unser Sonderprojekt in der Ukraine
Foto: GVB

Gewalt bleibt für viele Menschen unsichtbar – besonders dort, wo Krankheit und Stigmatisierung hinzukommen. In Indien untersucht ein Forschungsprojekt erstmals systematisch den Zusammenhang zwischen Lepra und geschlechtsspezifischer Gewalt. Ziel ist es, Erfahrungen sichtbar zu machen, psychosoziale Folgen besser zu verstehen und die Basis für wirksame Schutz-, Präventions- und Empowermentansätze für Menschen mit Lepra zu schaffen.

Foto: Henriette Naah

Welt-Lepra-Tag in der Lepra-Community in Akata, Togo. Die Verbesserung der mentalen Gesundheit Betroffener ist ein entscheidender Baustein unserer Lepra-Arbeit. Wir wollten herausfinden, wie häufig Menschen mit Lepra oder Buruli Ulcer in Togo unter Depressionen oder Angstzuständen leiden – und ihre psychische Gesundheit nachhaltig stärken. In sechs Gesundheitsdistrikten untersuchte das Projekt Lebensbedingungen und Stigmatisierung. Die Ergebnisse zeigen einen hohen Bedarf an Unterstützung. Schulungen für Betroffene und Gesundheitspersonal sowie Selbsthilfegruppen stärkten Wissen, Austausch und Teilhabe. So wurde die Lebensqualität der Betroffenen verbessert und ihr Zugang zu psychosozialer Unterstützung erleichtert.

Foto: Zain idress

Im September 2025 kamen DAHW-Partner:innen aus Afghanistan und Pakistan zu einer einwöchigen Schulung zusammen, um ihr Verständnis für die Grundprinzipien der Humanitären Hilfe, für Safeguarding und für MEAL, also das systematische Überprüfen, Lernen und Verbessern der eigenen Arbeit (Monitoring, Evaluation, Accountability & Learning), zu vertiefen. In den interaktiven Sitzungen erfuhren die Teilnehmenden nicht nur, wie wir humanitäre, lebensrettende Hilfe leisten können, sondern auch, wie wir für die Gemeinschaften, denen wir dienen, inklusiver, verantwortungsbewusster und nachhaltiger handeln können. So nahmen die Kolleg:innen nicht nur neues Wissen mit, sondern auch konkrete Ansätze, um ihre Arbeit vor Ort langfristig wirksamer, verantwortungsvoller und nachhaltiger zu gestalten – und die Unterstützung für betroffene Menschen weiter zu verbessern.

Projektbeispiele in diesem Bereich:

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